Schulsozialarbeit

  • Konzept

Newsflash

Zur Zeit keine Beiträge

Definitionen Schulsozialarbeit

„Schulsozialarbeit ist ein Angebot der Jugendhilfe, bei dem sozialpädagogische Fachkräfte kontinuierlich am Ort Schule tätig sind und mit Lehrkräften auf einer verbindlich vereinbarten und gleichberechtigten Basis zusammenzuarbeiten, um junge Menschen in ihrer individuellen, sozialen, schulischen und beruflichen Entwicklung zu fördern, dazu beizutragen, Bildungsbenachteiligungen zu vermeiden und abzubauen, Erziehungsberechtigte und LehrerInnen bei der Erziehung und dem erzieherischen Kinder- und Jugendschutz zu beraten und zu unterstützen sowie zu einer schülerfreundlichen Umwelt beizutragen.“ (Prof. Karsten Speck, 2011)

„Schulsozialarbeit wird in gemeinsamer Verantwortung von Jugendhilfe und Schule durchgeführt. Sie ist grundsätzlich an allen Schulformen sinnvoll und erforderlich. Schulsozialarbeit bedient sich der Methoden der Jugendhilfe gemäß der Grundlagen des SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfegesetz) und ist Teil der kommunalen Bildungslandschaft. Schulsozialarbeit beinhaltet Formen kontinuierlicher Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule, die eine Tätigkeit von sozialpädagogischen Fachkräften am Ort Schule und die Zusammenarbeit mit allen weiteren am Schulleben beteiligten pädagogischen Fachkräften zur Wahrnehmung von Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe für junge Menschen zum Ziel haben.“ (Paritätischer Wohlfahrtsverband Berlin e.V., 2012)

„Schulsozialarbeit ist ein Angebot der Jugendhilfe am Ort Schule für alle Schülerinnen und Schüler, aber auch für Lehrkräfte und Eltern.“ (Paritätischer Wohlfahrtsverband Berlin e.V., 2012)

Trägerschaft der Schulsozialarbeit und konzeptionelle Verankerung

Die aktuelle fachpolitische Diskussion zur Schulsozialarbeit auf Bundesebene (Kooperationsverbund Schulsozialarbeit, Deutscher Verein) sowie auf Landesebene (Paritätischer Wohlfahrtsverband Niedersachsen gGmbH, HAWK Hildesheim/Prof. Busche-Baumann, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg/Prof. Karsten Speck) kommt eindeutig zum Ergebnis, dass die Schulsozialarbeit fachlich auf den Paragraphen 11 (Jugendarbeit), 13 (Jugendsozialarbeit), 14 (Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz) sowie teilweise 16 (Allgemeine Förderung der Erziehung in der Familie) basiert und somit nach dem SGB VIII eine Leistung der Kinder- und Jugendhilfe ist. Nach Paragraph 3 des SGb VIII werden Leistungen der Jugendhilfe von Trägern der freien Jugendhilfe (Subsidiarität), die nach Paragraph 75 des SGB VIII anerkannt sein müssen, erbracht.

Die berufsvorbereitenden Maßnahmen im Rahmen des Übergangs Schule und Beruf, die einen Teil des Gesamtkonzeptes der Schulsozialarbeit ausmachen, fallen unter Paragraph 13 Jugendsozialarbeit SGB VIII. Eine AZAV (Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung)-Zertifizierung berechtigt nicht zur Erbringung von Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe, und Somit können keine privat-gewerblichen Träger keine Leistungen der Schulsozialarbeit erbringen. Der Anteil der privat-gewerblichen Träger in Niedersachsen liegt der empirischen Untersuchung von Prof. Busche-Baumann zufolge bei 1,7 Prozent (n=484, Mehrfachnennungen möglich).

Der Kooperationsverbund Schulsozialarbeit stellt fest (2015): „Schulsozialarbeit ist Anlaufstelle für alle Schülerinnen und Schüler einer Schule. Insbesondere aber für jene, die bei individuellen Problemen und Konfliktsituationen sozialpädagogische Hilfe, Unterstützung und Zuwendung suchen beziehungsweise benötigen. Dabei versteht sich Schulsozialarbeit als ein leicht zugängliches präventives Angebot, das einen eigenständigen sozialpädagogischen Auftrag erfüllt und nicht auf die Unterstützung von sogenannten Problemschülerinnen und Problemschülern reduziert wird. Basierend auf dem Jugendhilfeverständnis handelt Schulsozialarbeit planend, präventiv, flexibel und situativ. Si nimmt kurzfristig Bedarfe auf, ohne aber in eine „Feuerwehrfunktion“ zu geraten. Prävention und Einzelfallarbeit sollten in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen.“

Fachkonzept Schulsozialarbeit Kinderhaus Wittlager Land gGmbH (stichwortartige Zusammenfassung): Schule ist mehr als Unterricht – Bildung ist mehr als Schule!

Zielgruppen von Schulsozialarbeit:

  • Primär: Alle SchülerInnen mit besonderem Blick auf benachteiligte und problembelastete SchülerInnnen
  • Sekundär: Eltern und Lehrer

Ziele von Schulsozialarbeit:

  • Hilfe bei persönlichen, beruflichen und sozialen Belastungen, Problemlagen und Ausgrenzungen (Schnittmengen in der Kinder- und Jugendhilfe)
  • soziale Kompetenzförderung für alle
  • Förderung der Identitäts- und Persönlichkeitsentwicklung sowie Lebensbewältigung für alle
  • Schaffung positiver Lern- und Lebensbedingungen

Grundsätze der Schulsozialarbeit

  • Diversität, Inklusion, und Chancengleichheit
  • Prävention (schon in der Grundschule und früher)
  • Vertraulichkeit (durch externe Trägerschaft 100 Prozent gesichert, auch für SchülerInnen nachvollziehbar)
  • Freiwilligkeit (keine Schulpflicht)
  • Ganzheitlichkeit (nicht nur berufsbezogen)
  • Partizipation
  • Lebensweltbezug (= Sozialraumorientierung)
  • Niedrigschwelligkeit (präventiv)
  • Leitungsanerkennung (keine Notengebung)

Aufträge der Schulsozialarbeit

  • Bildungschancen erhöhen
  • Übergänge gestalten (nicht nur in den Beruf)
  • Vernetzung in den Sozialraum realisieren
  • Gesundheit fördern
  • Schulabsentismus vermeiden

Angebotsprofil der Schulsozialarbeit

  • Beratung und Begleitung von einzelnen SchülerInnen
  • Sozialpädagogische Gruppenarbeit
  • Offene Gesprächs-, Kontakt- und Freizeitangebote
  • Mitwirkung in Unterrichtsprojekten und in schulischen Gremien
  • Zusammenarbeit mit und Beratung der Lehrkräfte und Erziehungsberechtigten
  • Kooperation und Vernetzung mit dem Gemeinwesen (Bildungslandschaft)
  • Hilfe bei der Übergangsgestaltung (auch von Klasse 4 nach 5)
  • Soziales Lernen

Methoden der Schulsozialarbeit

  • Beratung
  • Gruppenarbeit
  • Einzelfallarbeit
  • Krisenintervention (persönliche Krisen junger Menschen, nicht Trainingsraum)
  • Deeskalation und Konfliktlösung

Schulsozialarbeit ist nicht

  • Feuerwehrfrauen und –männer (zum Beispiel zum „Löschen“ von akuten Bränden in Schulen, zum „Kaltduschen“ verhaltensauffälliger SchülerInnen)
  • Pausenclowns und Ausfallbürgen (zum Beispiel Pausenbetreuung, Mittagstisch, Unterrichtsersatz, Ermöglichung von „gutem“ Unterricht)
  • Freizeitanimateure (zum Beispiel für den Nachmittag, Ganztag)
  • PolizistInnen und RichterInnen (zum Beispiel zur Festsetzung im Trainingsraum, Bestrafung)
  • SchulreformerInnen (Schulentwickler, Trojanische Pferde)

Voraussetzungen für gelingende Schulsozialarbeit

  • Sozialpädagogische Verortung: Ziele, Grundsätze, Methoden und Kompetenzen der Sozialpädagogik werden in Schule eingebracht
  • Sozialpädagogische Professionalität: Erziehungswissenschaftliche bzw. sozialpädagogische Fachkräfte
  • Arbeitsort und Präsenz in der Schule: findet kontinuierlich am Ort Schule statt
  • Vertraglicher Rahmen: vertraglich vereinbarte Kooperation von Jugendhilfe und Schule beziehungsweise Lehrkräften und Sozialpädagogen
  • Konzeptionelle Verankerung der Schulsozialarbeit in den Schulkonzepten/-programmen
  • Regelmäßige Absprachen und Gespräche zwischen der Schulleitung, dem Projektträger und den SchulsozialarbeiterInnnen
  • Regelmäßige Treffen und Projekte zwischen den Lehrkräften und SchulsozialarbeiterInnen
  • die Einbindung der SchulsozialarbeiterInnen in die Schulgremien (wenn nötig)